Descartes-Gymnasium
Neuburg / Donau

Jugendbuchautorin Elisabeth Zöller

stellt am Descartes-Gymnasium drei ihrer bekannten Werke vor

Am 03. und 04. April 2014 stellte die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Elisabeth Zöller den Schülerinnen und Schülern der 6. bis 8. Jahrgangsstufe mehrere ihrer Werke vor.

Die aus Münster stammende Autorin gestaltete ihre Lesung äußerst lebendig und trug ihre Texte frei vor. Bei den vorgestellten Werken handelte es sich keineswegs um leichte Kost: Sie beruhen auf Tatsachen und sind in der Zeit des Nationalsozialismus angesiedelt.

Da die Schüler dieses Thema im Geschichtsunterricht noch nicht ausführlich behandelt haben, wurde ihnen von Frau Zöller eine altersgerechte Einführung in die Thematik geboten.

Außerdem erzählte die Autorin den Schülern, warum sie Bücher schreibt und welchen Bezug sie selbst zu dieser Zeit hat – schließlich ist sie erst 1945 geboren und hat die Hitler-Zeit nicht selbst miterlebt. In ihren Werken hat sie unter anderem die Erfahrungen ihres Vaters, der während dieser Zeit dreimal inhaftiert war, sowie die Erlebnisse ihres Onkels, der von den Nazis wegen seines Sprachfehlers und seiner Hochbegabung verfolgt wurde, verarbeitet.

Schülerinnen der Klasse 7c mit Frau Zöller

Ein zentrales Thema im Jugendbuch „Anton oder die Zeit des unwerten Lebens“ ist die Dreistigkeit, mit welcher im Dritten Reich die Menschenrechte missachtet und Personen verfolgt und getötet wurden. Zu den Verfolgten gehört auch Anton, die Hauptperson im Buch, der von seinem Lehrer und den Mitschülern aufgrund seiner mathematischen Hochbegabung und seines Stotterns so lange schikaniert wird, bis ihn seine Eltern verstecken müssen. Das gut recherchierte Buch beruht auf einer wahren Begebenheit: Anton war der Onkel der Autorin.

In ihrem Roman „Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife“, der erst Anfang April 2014 als Taschenbuch erschienen ist, geht es um die Edelweißpiraten, eine Widerstandsgruppe, die sich hauptsächlich aus Jugendlichen im Alter von 14-19 Jahren zusammensetzte. Die Mitglieder wurden von den Nationalsozialisten ab 1942 als Kriminelle verfolgt, streng beobachtet und immer wieder unter Arrest gesetzt. Wegen ihrer großen Zahl wurde auf eine „Beseitigung“ der Edelweißpiraten verzichtet. In einer der vorgetragenen Szenen geht es darum, wie Jugendliche Lebensmittel aus einem Eisenbahntransport stehlen wollen, um sie bedürftigen Gefangenen zukommen zu lassen. Es wird klar, dass die jungen Leute dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familien in erhebliche Gefahr brachten.

Frau Zöller stellte den Schülern zwischendurch immer wieder Fragen, so zum Beispiel, warum im Dritten Reich auch Hochbegabte verfolgt wurden. Es wurde erläutert, mit welch grausamer Hinterlist das Regime chronisch kranke oder behinderte Kinder beseitigte. Sichtlich betroffen waren die Schüler, als sie erfuhren, dass diese Jugendlichen damals zur „Behandlung“ in Krankenhäuser gebracht wurden. Nach kurzer Zeit erhielten die Eltern eine Benachrichtigung, ihre Kinder seien an einer Lungenentzündung gestorben.

Frau Zöller verstand es hervorragend, mit der Schülergruppe umzugehen – kein Wunder: schließlich war sie selbst 20 Jahre lang Lehrerin, unter anderem für die Fächer Deutsch, Französisch und Pädagogik. Seit nunmehr 24 Jahren widmet sie sich dem Schreiben und hat sich dadurch einen Kindheitstraum erfüllt. Als Münsteranerin erwies sich die Autorin auch als Krimifreund und erzählte dem Auditorium, dass sie sich neben ihrer Autorentätigkeit einen weiteren Wunsch erfüllt hat: Sie wirkte in sechs Folgen des bei vielen Fernsehzuschauern sehr beliebten Münsteraner Tatorts hinter den Kulissen mit.

Vom Angebot, am Ende der Veranstaltung noch eine Autogrammkarte zu ergattern oder einen der Romane käuflich zu erwerben, machten zahlreiche Schüler Gebrauch, allen voran die Sechstklässler. Die Veranstaltung wurde durch großzügige Spenden des Elternbeirats und der Studiengenossenschaft unterstützt. Da der "Trachtentag" am Descartes-Gymnasium zufällig mit dem Termin der Lesungen zusammenfiel, sind die Schülerinnen am Foto im Dirndl zu sehen.

 

(Wolfgang Kulzer)

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