Descartes-Gymnasium
Neuburg / Donau

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Interview mit Sweeda M.

Thema: Das Leben als Frau in Afghanistan

Sweeda M. (41 Jahre) ist die Mutter eines Schülers, der das Descartes-Gymnasium besucht, und ist 1947 in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans geboren. Sie lebt momentan in Neuburg a.d. Donau in Oberbayern. Sie möchte uns im Rahmen eines Schulprojektes, die Situation der Frauen in Afghanistan schildern.

von Adib Mehran

Als Sweeda Mehran 21 Jahre alt war, herrschte in Afghanistan Krieg und sie floh zusammen mit ihrem Mann nach Deutschland, um hier ohne Krieg und Gewalt zu leben zu können. Ihre Familie kehrte nach achtjährigem Aufenthalt in Pakistan nach Kabul zurück, weshalb sie dort noch weibliche Verwandte hat.

Adib: Wie würden sie die Situation der Frauen in Afghanistan momentan beschreiben?

Sweeda: Das Leben der Frauen ist momentan sehr eingeschränkt. Die Frauen sind aufgrund großer sexueller Belästigung nicht dazu in der Lage, sich frei in der Öffentlichkeit zu bewegen, weshalb sie in der Öffentlichkeit auf ihre Männer oder Brüder angewiesen sind. Zum Beispiel können meine Schwestern in Kabul alleine nicht weiter als vor die Haustüre, nicht weil sie es nicht dürfen, sondern weil die Gefahr von anderen Männern sexuell belästigt zu werden, viel zu groß ist. Dementsprechend ist es auch sehr schwer, einen guten Bildungsweg zu gehen. Es können etwa nur 15% der Frauen in Afghanistan lesen, und an die Universität kommen nur sehr wenige Frauen. Das war zur meiner Schulzeit früher noch anders.

Adib: Erklären Sie den Unterschied zwischen früher und heute.

Sweeda: Also zu meiner Schulzeit, im Jahre 1980, war Afghanistan noch von der Sowjetunion besetzt, auch wenn Frauen und Männer vor dem Gesetz nicht gleichberechtigt waren und es nach wie vor patriarchale Strukturen gab, haben wir ein sehr zufriedenes und freies Leben genießen können. Frauen mussten sich nicht verschleiern und konnten einen guten Bildungsweg gehen. Nachdem ich die neunte Klasse abgeschlossen habe, konnten leider weder Mädchen noch Jungen in die Schule gehen, da seit 1989 Krieg herrschte. Eine Schule zu besuchen, war einfach zu gefährlich. Man musste immer sein Leben riskieren, um in die Schule zu gehen. Deswegen brachen viele die Schule ab. Dies änderte sich doch drastisch, als Afghanistan 1992 zur islamischen Republik wurde und Frauen ab diesem Zeitpunkt eingeschränkt wurden, indem sie sich zum Beispiel von der Öffentlichkeit fern halten sollten. Aber erst während der Talibanherrschaft kam es so weit, dass Frauen verprügelt oder gar hingerichtet wurden, wenn sie beispielsweise alleine aus dem Haus gingen oder ein bisschen Haut zeigten.

Adib: Sie sprachen ja schon die Verschleierung an. Die Burka zählt ja als das Symbol für die Unterdrückung der Frau. Sehen Sie das auch so?

Sweeda: Ja absolut! Jedoch war die Burka nur während der Talibanherrschaft für Frauen Plicht. Es gab sowohl früher als auch heute die Burka, die von vielen Frauen freiwillig getragen wird, da sich zum einem viele Frauen daran gewöhnt haben, anonym zu sein, oder da es die oben genannten Probleme noch in vielen Teilen Afghanistans gibt.

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