Descartes-Gymnasium
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Schloss Bertoldsheim

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Geschichte

Dort wo jetzt das Schloss steht, wurde einst im Mittelalter auf Resten eines römischen Kopfquadertums von der Grafschaft Lechsend-Graisbach eine Ritterburg errichtet. Der Name des Ortes Bertoldsheim geht auf die Grafen Bertold I. und Bertold II. zurück. Bis Freiherr Franz Fortunat von Isselbach das mittelalterliche Burgschloss erwarb, hat es vom 13. – 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer gewechselt.Der kurpfälzische General und spätere Gouverneur von Mannheim ließ von 1717-1730 das neue Schloss durch den Hofarchitekten Gabriel de Gabrieli, der aus Eichstätt stammte, errichten. Das Schloss sollte seine gesellschaftliche Stellung repräsentieren.Zudem wurde um das Schloss herum ein bezaubernder Schloss BertoldsheimBarockgarten mit zahlreichen schönen Blumen und seltenen Bäumen angelegt. Aufgrund der Kälteempfindlichkeit exotischer Pflanzen, wie Orangen- und Zitronenbäume, wurde ein eigenes Haus mit Heizung, genannt die „Orangerie“ zur Überwinterung, eingerichtet. Für die Barockzeit typisch, gab es zudem einen Obst- und Gemüsegarten.
Ende des 18. Jahrhunderts ging das Schloss in den Besitz des Freiherrn Bernhard von Hornstein über. Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Lieblingsgeneral Napoleons Du Moulin die Erbtochter Eckarts heiratete, überließ er ihm das Schloss als Hochzeitsgeschenk. Seitdem war das Bertoldsheimer Schloss für fast 200 Jahre im Besitz der Familie Du Moulin Eckart.
Vom Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, haben das Schloss und seine kostbare Ausstattung unter der amerikanischen Besatzung und der anschließenden Unterbringung von 142 Flüchtlingen stark gelitten. Die Flüchtlinge stammten hauptsächlich aus der ehemaligen Tschechoslowakei und wurden fürsorglich von der Grafenfamilie versorgt. Den Gartensaal bewohnte zum Beispiel übergangsweise eine 7-köpfige Familie. 2008 erwarb dann der neue Schlossbesitzer das in Mitleidenschaft gezogene Schloss. Er wird es mit viel Engagement und Freude zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen.

Wodurch wurde das Interesse des neuen Schlossbesitzers geweckt?

Die Besonderheit des Bertoldsheimer Schlosses liegt darin, dass es seit seiner Bauzeit über die Jahre hinweg nie zerstört wurde und deshalb noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Dies weckte v.a. das Interesse des Schlossherrn. Außerdem faszinierte ihn auch der zugehörige Schlosspark sehr, denn nicht nur die Bauweise und architektonische Kunst des Schlosses reizte ihn, sondern auch die wunderschöne Landschaft, die aber in den vorherigen Jahrhunderten des Öfteren zerstört wurde.

Der ursprüngliche Besitzer eines Museums am Ammersee mit einer völkerkundlichen Sammlung aus Afrika, Asien und der Südsee suchte zudem nach mehr Raum für seine ständig anwachsende Sammlung. In Verbindung mit seinem Interesse für Kunstgeschichte, eignete sich das Bertoldsheimer Schloss für seine Vorstellungen besonders gut.

Wie gestaltet sich die Zukunft des Schlosses?

Die erste Hürde der umfangreichen Renovierungsarbeiten am Schloss sind bereits abgeschlossen, denn die Außenrenovierung der St. Antonius Kapelle wurden erfolgreich beendet. Viel Zeit in Anspruch nehmen wird die Renovierung des Hauptgebäudes, denn schon allein bis das Schloss durch eine Zentralheizung erwärmt werden kann, dauert es vier bis fünf Jahre. Auch das Dach muss komplett abgedeckt und erneuert werden. Das Geld, das allein in diese Erneuerung fließt, entspricht ungefähr dem Wert von vier Einfamilienhäusern.

Derzeit geplant ist, dass das Schloss wahrscheinlich nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, da hierfür bestimmte Brandschutzmaßnahmen erforderlich sind. Man müsste beispielsweise Feuertreppen nach außen hin anbringen, was das ursprüngliche Aussehen des Schlosses weitgehend verfälschen würde. Deshalb hat der Schlossherr vor, kleinen angemeldeten Gruppen in Form einer Privatführung den Zugang zum Schloss zu gewähren. Doch bis dahin werden noch einige Jahre vergehen, denn schon allein für die Renovierungsarbeiten müssen dutzende Genehmigungen der Denkmalbehörde eingeholt werden.

Geheimnisvolles

Eine der bekanntesten Mythen des Schlosses Bertoldsheim ist die Geschichte der „Weißen Frau“. Man erzählt, dass die „Weiße Frau“ immer in der Nacht vor dem Tode eines Familienmitgliedes der Schlossherrschaft erscheint.

Als einst der Graf ganz allein im Schloss zugegen war und mit seinem Hund auf einem Sessel vor dem warmen Kamin saß, hörte er plötzlich Schritte auf dem Dachboden. Die Schritte wurden immer schneller und liefen die Treppe hinunter bis in den Schlosshof. Nach einem plötzlich ertönenden lauten Schrei, herrschte sofort wieder Todesstille. Als der Schlossherr aufgeschreckt überprüfen wollte, was passiert ist, nahm er wahr, dass sein Hund verängstigt und mit gesträubtem Fell neben ihm lag. Dies veranlasste ihn, vernünftigerweise dazu, in seinem Sessel zu verharren. Das Unheimlichste an diesem Vorfall aber ist, dass man ganz sicher davon ausgehen kann, dass sich nur der Graf mit seinem Hund im Schloss befand.

 

Altar Schloss BertoldsheimKleiner Rundgang durch das Schloss

Beginnen wir unseren Rundgang im Schlosspark, der erneut in seiner vollen Blütenpracht erstrahlt. Hier werden gerade vier Statuen aufgestellt, wobei jede der vier für eine Jahreszeit steht. Durch das große schmiedeeiserne Tor betreten wir jetzt den Parade- bzw. Aufmarschplatz, von dem aus wir rechter Hand die schlosseigene Kirche, die dem hl. Georg geweiht ist, betreten. Besonders auffällig gestaltet ist hier der Boden. Durch verschiedene Schattierungen hat man den Eindruck, als bestünde er aus vielen Würfeln. In der Kirche befinden sich zwei Altäre, wobei der nach Osten gerichtete der ursprüngliche Altar ist. Dieser besteht aus Stuckmarmor.

Zurück auf dem Paradeplatz ist zu erkennen, dass die beiden Kopfbauten einander entsprechen, wobei im linken Bau aber eine Zwischendecke eingebaut ist, hierbei handelte es sich früher um das Gärtnerhaus. Bei der gesamten Schlossanlage handelt es sich um einen U-förmigen Bau, in dessen Inneren es sowohl eine äußere, als auch eine innere Erschließung gibt, d.h. vom Paradeplatz aus sind nur die Fenster des Ganges zu sehen, an den die Gemächer grenzen, die alle miteinander durch Türen verbunden sind. Unter dem Schlossgebäude befindet sich ein fünf Meter hoher Keller.

Zuletzt fällt das Augenmerk auf die zwei Brunnen im Hof, zu denen es Folgendes zu sagen gibt: Als damals das Wasser für die beiden Brunnen nicht ausreichte, hat man eine 2km lange Wasserleitung von Erlbach nach Bertoldsheim gelegt.

Schloss BertoldsheimDoch nun weiter in das Schloss hinein. Wir betreten das Gärtnerhaus, also den linken Flügel. Zunächst werden wir in die alte Küche des Schlosses geführt. Eine Besonderheit ist hier, dass weder Decke noch Boden aus Holz, sondern aus Stein sind, was bereits damals eine Brandschutzmaßnahme darstellte.

Gehen wir wieder in den Gang mit Blick auf den Paradehof. So fällt auf, dass jedes Zimmer einen eigenen Kamin hat, der von außen, also vom Gang aus geschürt werden konnte. Dies hatte den Zweck, dass die Dienerschaft, als es noch keine Zentralheizung gab, jedes Zimmer schon in der Früh beheizen konnte, ohne die Herrschaften zu stören. Früher, wie wir erfahren, wurden übrigens ca. 30 Leute im Schloss beschäftigt. Wie man bereits als Kind in der Schule lernt, soll das Schloss 365 Fenster und 12 Kamine haben. Ob das wirklich stimmt, können wir bereits hier auflösen. Wir lassen uns erklären, dass die Kamine verzogen sind, also schräg nach oben gehen, sodass mehrere zu einem Schornstein zusammenlaufen. Da es aber schon mehr als 12 Schornsteine gibt, müssen wesentlich mehr Kamine vorhanden sein.

Treppenhaus Schloss BertoldsheimGehen wir nun weiter in den rechten Flügel, in dem wir den Isselbachsaal, der sich direkt über der St. Georg Kirche befindet und nach seinem Erbauer benannt wurde, betreten. Hier befindet sich noch gut erhalten, ein großer Kamin, der ebenfalls aus Stuckmarmor besteht. Als nächstes betreten wir einen Raum, in dem sich noch große Gemälde befinden, die die Heldentaten im Spanischen Erbfolgekrieg des Erbauers, der übrigens Gouverneur war, zeigen. Auch die große Schlacht in Höchstett ist zu sehen. Hierbei werden wir gleich einmal den Irrtum auflösen, dass die Bertoldsheimer das Schloss erbaut hätten. Nach dem dreißig-jährigen Krieg hatte Bertoldsheim nur noch 26 Einwohner, die niemals allein ein so großes Schloss erbauen hätten können. Eigentlich wurde es von Handwerkern aus Eichstätt, Neuburg und Augsburg erbaut.

Das Treppenhaus, das wir nun betreten, ist typisch für den Architekten Gabriel de Gabrieli.

Nun gelangen wir noch in den Gartensaal, von dem aus man die großräumige Terrasse erreichen kann. An diesen Saal grenzt das Wagnerzimmer an, in dem sich ein Flügel befindet. Der ursprüngliche Schlossherr war ein enger Vertrauter des Komponisten Richard Wagner, sodass das Zimmer nach ihm benannt wurde. Am Ende dürfen wir noch einen Blick in die sanitären Einrichtungen werfen. Für die Bauzeit befinden sich ungewöhnlich viele Toiletten in dem Schloss, da z.B. im Schloss Versailles nur der König über eine Toilette verfügte, wohingegen im Bertoldsheimer Schloss auch sanitäre Anlagen für die Bediensteten vorhanden waren. Ganz zuletzt besichtigen wir noch die Zimmer der früheren Dienstboten und verlassen nun das Schloss.

 

 Interview mit Hr. Anton Polleichtner

Herr Polleichtner ist ein ehemaliger Bewohner des Bertoldsheimer Schlosses. Welche Erinnerungen er an die vergangene Zeit hat, wird im folgenden Interview näher geschildert:

Wir haben erfahren, dass Sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Schloss gewohnt haben. Wie kam es dazu?

Es war der 4. Mai 1946 als wir erfuhren, dass wir am nächsten Morgen unsere Heimat Böhmen verlassen müssen. Mit jeweils 50 kg Gepäck bepackt, befanden wir – meine 6 Geschwister, meine Mutter und mein Vater - uns in einem der 30 Wagons, die Richtung Furth im Wald fuhren. Sobald wir dort über der Grenze aus dem Wagon ausstiegen, nahmen wir die Armbinde, die uns als deutsche Vertriebene kennzeichnete ab.
Unser nächster Halt war Augsburg, von dort aus fuhren 10 Wagons mit jeweils 30 Menschen weiter nach Neuburg an der Donau. Genau an meinem 14. Geburtstag, am 12. Juni, ging es für meine Familie und mich mit einem Lastwagen weiter nach Bertoldsheim, wo wir im Schloss untergebracht wurden.

Wann und wie lange haben Sie im Schloss gewohnt?

Genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern, aber es müssten so ca. zwei Jahre gewesen sein, also bis ’48. Danach hat meine Familie mit mehreren anderen in einem Haus in Bertoldsheim gewohnt. Mit 18 Jahren verließ ich Bertoldsheim und kehrte erst nach fünf Jahren zurück. Währenddessen hatten meine Eltern sich bereits eine neue Existenz in Bertoldsheim aufgebaut.

In welchen Räumen haben Sie gewohnt?

Nach unserer Ankunft wohnten wir zunächst im Jagdzimmer. Später zogen wir in einen größeren Saal, den ehemaligen Spiegelsaal, um. Aufgrund der Größe des Saals waren unsere neun Betten kaum zu sehen. Da es dort auch einen Kamin gab, hatten wir die Möglichkeit uns eine provisorische Feuerstelle zum Kochen einzurichten.

Wie gestaltete sich die Situation im Schloss?

Mit uns lebten ca. 250 Vertriebene aus verschiedensten Ländern im Schloss, darunter ungefähr 150 Kinder. Bevor wir in das Schloss einzogen, war es von Amerikanern besetzt. Da diese viel Schmutz und Unrat hinterlassen hatten, mussten wir die Räume vor dem Bezug zunächst reinigen. Mehrmals im Jahr wurde zudem eine Entwanzung des Schlosses durchgeführt, sodass wir 24 Stunden unsere Zimmer aufgrund der Abtötung durch Giftmittel von Wanzen nicht betreten durften. Im unteren Teil des Schlosses befand sich eine Gemeinschaftsküche mit zwei großen Herden, die alle Bewohner benutzten. Jede Familie musste sich zum Kochen oder auch zum Heizen das Holz selber sammeln. Zum Lagern des Holzes war jeder Familie im Keller ein kleines Eck zugeteilt worden. Doch ging es bei der endgültigen Verteilung des Holzes nicht immer gerecht zu, da viele sich auch einfach das Holz der anderen klauten.
Unser größtes Problem war aber, wie wir uns ernähren sollten. Da wir uns selbst keine Nahrungsmittel leisten konnten, mussten wir oft um Gemüse und Brot bei den Bauern im Dorf bitten/betteln.
Wir Kinder fanden das Leben im Schloss natürlich toll: viele Kinder zum Spielen und viele Geheimgänge und andere Abenteuer zu entdecken. Für unsere Eltern war die Situation natürlich problematischer, da sie sich um die Versorgung und Ernährung der Familie kümmern mussten.
Ein Highlight in unserem Alltag, war die Bescherung an Weihnachten. Jedes Jahr besuchte uns der Graf Du Moulin und brachte uns Lebkuchen und Nüsse mit.
Im Großen und Ganzen gestaltete sich die Jahre für uns Kinder im Schloss als eine doch sehr abenteuerreiche Zeit.

 

Alina Seiler und Anna Hirschbeck, Q12

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