Descartes-Gymnasium
Neuburg / Donau

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Sehenswürdigkeiten in und um Neuburg

Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige Sehenswürdigkeiten in und um Neuburg vor und beleuchten sie vor allem von der historischen Seite her.

Viel Vergnügen beim Schmökern!


Alte Burg

  •  erbaut etwa im 10. Jahrhundert
  • 1007 im Besitz Kaiser Heinrich II. als Erbeigener
  • 1197 belehnt Heinrich IV. seinen Marshall Heinrich von Kalden mit dem Amt Neuburg, zu dem auch die Alte Burg gehörte
  • 1246/47 wird die alte Burg in der Meraner Fehde zerstört; von Bayernherzog Otto II. erobert; wird Eigentum der Wittelsbacher; Wiederaufbau in veränderter Form
  • 1386 endgültige Zerstörung im Krieg Bayerns gegen den Reinbund
  • unter Herzog Philipp Ludwig wurde Steinmaterial zum Bau der Hofkirche abgebaut
  • 1818 schenkt König Maximilian I. die Ruine der Stadt Neuburg
  • die alte Burg wurde in den 1970er Jahren renoviert
Burgplateau Bergfried
Innenansicht des nordöstlichen Nebengebäudes Außenansicht des nordöstlichen Nebengebäudes
Innenansicht des nordöstlichen Nebengebäudes Sicht vom Bergfried auf das Nebengebäude
Torgebäude  

 Hofkirche "Unserer Lieben Frau"

Zeittafel:

  • vor 1000 Bestehen der Pfalzkapelle St. Maria an der Stelle der Hofkriche Neuburg/Donau
  • um 1000 Gründung des Benediktinerklosters durch Herzog Heinrich IV. von Bayern
  • Mitte des 15. Jhdt. Errichtung der Pfarrkirche "Unserer Lieben Frau"
  • 1557 Umwandlung der Pfarrkirche in eine protestantische Kirche unter Ottheinrich
  • 1585 Einsturz des Kirchenturms
  • 1599 - 1602 Wiederaufbau des Turmes unter Philipp Ludwig und seinem Sohn Wolfgang Wilhelm
  • 1./2. März 1602 Einsturz des Turmes ->Anlass zur Enstehung einer neuen Stadtlandschaft unter Philipp Ludwig
  • 1607 - 1615 Bau der heutigen Kirche nach (protestantischen) Plänen des kaiserlichen Hofmalers Josef Heintz;
  • 1614 Umwandlung in eine katholischen Jesuitenkirche unter Fürst Wolfang Wilhelm --> Veränderung der Innenausstattung; als Vorbild diente die Münchner Jesuitenkirche St. Micheal
  • 1616 Stuckierungen von den Gebrüdern Gian Antonio und Pietro Castelli
 Stuckdecke in der Hofkirche Innenraum der Hofkirche Hofkirche
  •  1617 Vollendung des Hochaltarbildes "Das Große Jüngste Gericht" von Peter Paul Rubens (Heute befindet sich das Bild in der Alten Pinakothek in München)
  • 21.10.1618 Weihe der Hofkirche
  • 1620 Altarbilder der zwei Seitenaltäre von Rubens
  • 1624 Fertigstellung des Turmes wegen Steinmangel; Es kam zu Verzögerungen, da es einerseits an Steinen mangelte und andererseits sich die beiden "Baufirmen" nachts gegenseitig die Steine stahlen. Die Steine stammten später von der Alten Burg.
  • Fertigestellung der bis heute erhaltenen Fassaden im Westen und am Turm durch Johann Allerthal und Antonio Serro.
  • 1969 - 1983 Komplettrenovierung
  • 2007/08 Sanierung des Dachstuhls
  • 2009/10 Sanierung der Fassade und des Turms

 

 Die Hilarius Legende

"Eine Besonderheit ist das Santhilarigrab. Der Legende nach war der Heilige Hilarius angebliche Kanzler von Kaiser Heinrich II. und Bischof in Ungarn [...]. Die Legende berichtet, der Papst habe den Bischof Hilarius bei der Einberufung einer Vielzahl von Kadinälen und Bischöfen zu einer Kirchenversammlung in Rom bewusst ausgeschlossen, weil er Zweifel an seiner Rechtgläubigkeit hatte. Hilarius machte sich trotzdem mit anderen hohen Geistlichen auf den Weg nach Rom. Vom Erscheinen des Hilarius überrascht, verbot der Papst ihm, sich wie die anderen zu setzen. Hilarius blieb eine Weile stehen, setzte sich aber dann auf den Boden, woraufhin der Papst die Versammlung verlies und Hilarius befahl, solange sitzen zu bleiben  bis er zu einem Urteilsspruch zurückkehre. Plötzlich habe sich das Stück Boden, auf dem Hilarius saß, so gehoben, dass er alle überragte. Gerechtfertigt durch dieses Wunder wollte die Bischofversammlung  Hilarius die Papstwürde übertragen, was er aber ausschlug und nach Ungarn zurückkehrte. Nach seinem Tod soll der Leichnam Hilarius auf ein Schiff gebracht worden sein, das dann von selbst Donauaufwärts bis Neuburg geschwommen sei und am Fuß des Klosterberges anlandete; hierauf sei der Bischof Hilarius in der Klosterkirche begraben worden. " (in "Hofkriche Neuburg an der Donau" von Reinhard H. Seitz S. 19 nachzulesen)

 

Eine pochende Legende aus der Neuburger Hofkirche

Wie es damals so üblich war, wurde einst das Herz des Herzogs Wolfgang Wilhelm als Reliquie in einer Kapsel in der Fürstenkruft beigesetzt. Angeblich, so heißt es zumindest, schüttelten Messknaben die Kapsel, woraufhin ein klapperndes Geräusch zu vernehmen war. Man sagte sich, das Herz des einstmaligen Herzogs habe wieder zu pochen begonnen.

 

Die Madonna

Die Madonna, die jährlich viele Pilgerer auf ihren Wallfahrten bewundern, stammte einst aus einer Eiche. Sie wurde vermutlich von einem Einsiedler geschnitzt und blieb zunächst unentdeckt, so dass sie wieder in den Baum einwuchs. Bei Fällarbeiten entdeckte man die Schnitzerei,welche schließlich in der Neuburger Hofkirche ihren Platz fand.

 

Warum die Hofkirche "Unserer Lieben Frau" so heißt, wie sie heißt

Den Titel Hofkriche trägt die Nachfolgerin der einstigen Kloster- und Pfarrkirche "Unserer Lieben Frau" zurecht, nicht nur, weil in ihrer Fürstenkruft sechs Angehörige des Fürstenhauses Pfalz Neuburg und Verwandte ruhen, sondern weil sich die Neuburger Fürsten dieser Kirche zu ihrer Lebzeiten stets verbunden fühlten - die verschiedenen Wappendarstellungen am Hochaltar wie über dem Eingang geben ein beredtes Zeugnis.

 

 Das Gemälde "Himmelfahrt Mariens"

Himmelfahrt Mariens Ausschnitt aus Himmelfahrt Mariens Ausschnitt aus Himmelfahrt Mariens

Das Gemälde "Himmelfahrt Mariens" von Paul Bock im Jahr 1653 ist in der Fürstenlouge zu finden. Besonders an diesem Bild ist, dass sich in den Zügen der Heiligen, der Maler und seine Auftragsgeber erkennen lassen. Wie nicht schwer zu erkennen ist, musste das Bild sowie die Holzleiste an die Wandgröße der Fürstenlouge angepasst werden.

 

GlockeDie Kirchturmglocken

Die Glocken des Kirchturms wurden im Zweiten Weltkrieg abmontiert, um sie einzuschmelzen und daraus Kriegsmonition herzustellen.

 

 

 

 

 

Und zu guter Letzt ...

MessgewänderKurioses

Angeblich wollten sich vermögende Damen Messgewänder für einen Künstlerball ausleihen. Dies wurde jedoch abgelehnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • "Hofkirche Neuburg an der Donau" von Reinhard H.Seitz
  • Kirchenführung mit Hr. Anton Sprenzel

 

Mit freundlicher Unterstützung von Hr. Anton Sprenzel.

Eva Edler, Corinna Fürst Q12


Kaiserburg Oberhausen

Burgruine auf dem „Ulrichsberg“ (Arrach) auf der südlichen Seite der Donau 1000 Meter nordwestlich von der Kirche der Gemeinde Oberhausen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in Bayern

 Geschichte:

  • Höhenburg: vermutlich 1197 als Reichsburg erbaut und 1280 erwähnt
  • Besitzer der Burg waren die Grafen von Graisbach-Lechsgemünd
  • bildete den östlichsten Punkt der graisbachischen Besitzungen südlich der Donau
  • Übertragung der Burghut der Kaiserburg von den Graisbachern auf ihre Lehensträger, den Rittern von Straß
  • 1270 Beschlagnahmung der Grafschaft Neuburg von den Wittelsbachern und Zerstörung der Burgen
  • 1386: Endgültige Zerstörung der Burg
  • Heute: Nur noch Mauerrester von der ehemaligen Burganlage erhalten

Reste der KaiserburgKaiser Heinrich, der Heilige, soll sich hier einmal aufgehalten haben. Deshalb wurde die Burg von den Bewohnern "Kaiserburg" genannt.

Von der Kaiserburg bei Oberhausen sind nur noch sehr wenige Teile vorhanden. Aber durch den sehr tiefen Halsgraben zwischen Vor- und Hauptburg und dem steil abfallenden Ufer zur Donau hin ist es ein sehr beeindruckender Ort. Besonders aber die imposanten und ausgefallenen Bäume machen aus der Burgruine einen sehr kraftvollen und ausdrucksstarken Platz.

 

Quellen:


Latour - Denkmal

Wann?

27. Juni 1800

Wo?

Auf der Anhöhe zwischen Ober- und Unterhausen

Latour-Denkmal Latour-Denkmal

 Was?

Denkmal für den dort in unmittelbarer Nähe in einem Gefecht gefallenen französischen Soldaten Theophile Malo Corret Latour d'Auvergne, der von Napoleon Bonaparte auf Grund seiner Verdienste den Ehrentitel "Erster Grenadier der Armeen der Republik" und einen Ehrensäbel erhalten hatte. In einem Tagesbefehl vom 1. Juli 1800 ordnet der Oberbefehlshaber der französischen Truppen, General Moreau, die Errichtung eines Denkmals an. 1837 erhält das Denkmal auf Anordnung von König Ludwig I. von Bayern bei einer Renovierung seine heutige Form. Das Grundstück, auf dem das Denkmal sich befindet, ist seit 1800 durch Kauf Eigentum des französischen Staates.

 

Inschrift Latour-Denkmal Inschrift Latour-Denkmal

Zur Erinnerung

an Latour D‘ Auvergne,

Erster Grenadier Frankreichs,

gefallen am 8. Messidor*

im 8. Jahr der Republik

27. Juni 1800

 Zur Erinnerung

an Forty,

Kommandeur der

46. Halbbrigade

der französischen Infanterie

gefallen am 8. Messidor

im 8. Jahr der Republik

27. Juni 1800

 

Quelle: http://www.oberhausen-donau.de/Tourismus/Sehenswertes/Latour-Denkmal


 

Schloss Bertoldsheim

(Es ist strengstens untersagt Text und Bilder für private oder öffentliche Zwecke, sowohl in schriftlicher als auch in digitalter Form, zu verwenden und zu zitieren.)

Geschichte

Dort wo jetzt das Schloss steht, wurde einst im Mittelalter auf Resten eines römischen Kopfquadertums von der Grafschaft Lechsend-Graisbach eine Ritterburg errichtet. Der Name des Ortes Bertoldsheim geht auf die Grafen Bertold I. und Bertold II. zurück. Bis Freiherr Franz Fortunat von Isselbach das mittelalterliche Burgschloss erwarb, hat es vom 13. – 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer gewechselt.Der kurpfälzische General und spätere Gouverneur von Mannheim ließ von 1717-1730 das neue Schloss durch den Hofarchitekten Gabriel de Gabrieli, der aus Eichstätt stammte, errichten. Das Schloss sollte seine gesellschaftliche Stellung repräsentieren.Zudem wurde um das Schloss herum ein bezaubernder Schloss BertoldsheimBarockgarten mit zahlreichen schönen Blumen und seltenen Bäumen angelegt. Aufgrund der Kälteempfindlichkeit exotischer Pflanzen, wie Orangen- und Zitronenbäume, wurde ein eigenes Haus mit Heizung, genannt die „Orangerie“ zur Überwinterung, eingerichtet. Für die Barockzeit typisch, gab es zudem einen Obst- und Gemüsegarten.
Ende des 18. Jahrhunderts ging das Schloss in den Besitz des Freiherrn Bernhard von Hornstein über. Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Lieblingsgeneral Napoleons Du Moulin die Erbtochter Eckarts heiratete, überließ er ihm das Schloss als Hochzeitsgeschenk. Seitdem war das Bertoldsheimer Schloss für fast 200 Jahre im Besitz der Familie Du Moulin Eckart.
Vom Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, haben das Schloss und seine kostbare Ausstattung unter der amerikanischen Besatzung und der anschließenden Unterbringung von 142 Flüchtlingen stark gelitten. Die Flüchtlinge stammten hauptsächlich aus der ehemaligen Tschechoslowakei und wurden fürsorglich von der Grafenfamilie versorgt. Den Gartensaal bewohnte zum Beispiel übergangsweise eine 7-köpfige Familie. 2008 erwarb dann der neue Schlossbesitzer das in Mitleidenschaft gezogene Schloss. Er wird es mit viel Engagement und Freude zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen.

Wodurch wurde das Interesse des neuen Schlossbesitzers geweckt?

Die Besonderheit des Bertoldsheimer Schlosses liegt darin, dass es seit seiner Bauzeit über die Jahre hinweg nie zerstört wurde und deshalb noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Dies weckte v.a. das Interesse des Schlossherrn. Außerdem faszinierte ihn auch der zugehörige Schlosspark sehr, denn nicht nur die Bauweise und architektonische Kunst des Schlosses reizte ihn, sondern auch die wunderschöne Landschaft, die aber in den vorherigen Jahrhunderten des Öfteren zerstört wurde.

Der ursprüngliche Besitzer eines Museums am Ammersee mit einer völkerkundlichen Sammlung aus Afrika, Asien und der Südsee suchte zudem nach mehr Raum für seine ständig anwachsende Sammlung. In Verbindung mit seinem Interesse für Kunstgeschichte, eignete sich das Bertoldsheimer Schloss für seine Vorstellungen besonders gut.

Wie gestaltet sich die Zukunft des Schlosses?

Die erste Hürde der umfangreichen Renovierungsarbeiten am Schloss sind bereits abgeschlossen, denn die Außenrenovierung der St. Antonius Kapelle wurden erfolgreich beendet. Viel Zeit in Anspruch nehmen wird die Renovierung des Hauptgebäudes, denn schon allein bis das Schloss durch eine Zentralheizung erwärmt werden kann, dauert es vier bis fünf Jahre. Auch das Dach muss komplett abgedeckt und erneuert werden. Das Geld, das allein in diese Erneuerung fließt, entspricht ungefähr dem Wert von vier Einfamilienhäusern.

Derzeit geplant ist, dass das Schloss wahrscheinlich nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, da hierfür bestimmte Brandschutzmaßnahmen erforderlich sind. Man müsste beispielsweise Feuertreppen nach außen hin anbringen, was das ursprüngliche Aussehen des Schlosses weitgehend verfälschen würde. Deshalb hat der Schlossherr vor, kleinen angemeldeten Gruppen in Form einer Privatführung den Zugang zum Schloss zu gewähren. Doch bis dahin werden noch einige Jahre vergehen, denn schon allein für die Renovierungsarbeiten müssen dutzende Genehmigungen der Denkmalbehörde eingeholt werden.

Geheimnisvolles

Eine der bekanntesten Mythen des Schlosses Bertoldsheim ist die Geschichte der „Weißen Frau“. Man erzählt, dass die „Weiße Frau“ immer in der Nacht vor dem Tode eines Familienmitgliedes der Schlossherrschaft erscheint.

Als einst der Graf ganz allein im Schloss zugegen war und mit seinem Hund auf einem Sessel vor dem warmen Kamin saß, hörte er plötzlich Schritte auf dem Dachboden. Die Schritte wurden immer schneller und liefen die Treppe hinunter bis in den Schlosshof. Nach einem plötzlich ertönenden lauten Schrei, herrschte sofort wieder Todesstille. Als der Schlossherr aufgeschreckt überprüfen wollte, was passiert ist, nahm er wahr, dass sein Hund verängstigt und mit gesträubtem Fell neben ihm lag. Dies veranlasste ihn, vernünftigerweise dazu, in seinem Sessel zu verharren. Das Unheimlichste an diesem Vorfall aber ist, dass man ganz sicher davon ausgehen kann, dass sich nur der Graf mit seinem Hund im Schloss befand.

 

Altar Schloss BertoldsheimKleiner Rundgang durch das Schloss

Beginnen wir unseren Rundgang im Schlosspark, der erneut in seiner vollen Blütenpracht erstrahlt. Hier werden gerade vier Statuen aufgestellt, wobei jede der vier für eine Jahreszeit steht. Durch das große schmiedeeiserne Tor betreten wir jetzt den Parade- bzw. Aufmarschplatz, von dem aus wir rechter Hand die schlosseigene Kirche, die dem hl. Georg geweiht ist, betreten. Besonders auffällig gestaltet ist hier der Boden. Durch verschiedene Schattierungen hat man den Eindruck, als bestünde er aus vielen Würfeln. In der Kirche befinden sich zwei Altäre, wobei der nach Osten gerichtete der ursprüngliche Altar ist. Dieser besteht aus Stuckmarmor.

Zurück auf dem Paradeplatz ist zu erkennen, dass die beiden Kopfbauten einander entsprechen, wobei im linken Bau aber eine Zwischendecke eingebaut ist, hierbei handelte es sich früher um das Gärtnerhaus. Bei der gesamten Schlossanlage handelt es sich um einen U-förmigen Bau, in dessen Inneren es sowohl eine äußere, als auch eine innere Erschließung gibt, d.h. vom Paradeplatz aus sind nur die Fenster des Ganges zu sehen, an den die Gemächer grenzen, die alle miteinander durch Türen verbunden sind. Unter dem Schlossgebäude befindet sich ein fünf Meter hoher Keller.

Zuletzt fällt das Augenmerk auf die zwei Brunnen im Hof, zu denen es Folgendes zu sagen gibt: Als damals das Wasser für die beiden Brunnen nicht ausreichte, hat man eine 2km lange Wasserleitung von Erlbach nach Bertoldsheim gelegt.

Schloss BertoldsheimDoch nun weiter in das Schloss hinein. Wir betreten das Gärtnerhaus, also den linken Flügel. Zunächst werden wir in die alte Küche des Schlosses geführt. Eine Besonderheit ist hier, dass weder Decke noch Boden aus Holz, sondern aus Stein sind, was bereits damals eine Brandschutzmaßnahme darstellte.

Gehen wir wieder in den Gang mit Blick auf den Paradehof. So fällt auf, dass jedes Zimmer einen eigenen Kamin hat, der von außen, also vom Gang aus geschürt werden konnte. Dies hatte den Zweck, dass die Dienerschaft, als es noch keine Zentralheizung gab, jedes Zimmer schon in der Früh beheizen konnte, ohne die Herrschaften zu stören. Früher, wie wir erfahren, wurden übrigens ca. 30 Leute im Schloss beschäftigt. Wie man bereits als Kind in der Schule lernt, soll das Schloss 365 Fenster und 12 Kamine haben. Ob das wirklich stimmt, können wir bereits hier auflösen. Wir lassen uns erklären, dass die Kamine verzogen sind, also schräg nach oben gehen, sodass mehrere zu einem Schornstein zusammenlaufen. Da es aber schon mehr als 12 Schornsteine gibt, müssen wesentlich mehr Kamine vorhanden sein.

Treppenhaus Schloss BertoldsheimGehen wir nun weiter in den rechten Flügel, in dem wir den Isselbachsaal, der sich direkt über der St. Georg Kirche befindet und nach seinem Erbauer benannt wurde, betreten. Hier befindet sich noch gut erhalten, ein großer Kamin, der ebenfalls aus Stuckmarmor besteht. Als nächstes betreten wir einen Raum, in dem sich noch große Gemälde befinden, die die Heldentaten im Spanischen Erbfolgekrieg des Erbauers, der übrigens Gouverneur war, zeigen. Auch die große Schlacht in Höchstett ist zu sehen. Hierbei werden wir gleich einmal den Irrtum auflösen, dass die Bertoldsheimer das Schloss erbaut hätten. Nach dem dreißig-jährigen Krieg hatte Bertoldsheim nur noch 26 Einwohner, die niemals allein ein so großes Schloss erbauen hätten können. Eigentlich wurde es von Handwerkern aus Eichstätt, Neuburg und Augsburg erbaut.

Das Treppenhaus, das wir nun betreten, ist typisch für den Architekten Gabriel de Gabrieli.

Nun gelangen wir noch in den Gartensaal, von dem aus man die großräumige Terrasse erreichen kann. An diesen Saal grenzt das Wagnerzimmer an, in dem sich ein Flügel befindet. Der ursprüngliche Schlossherr war ein enger Vertrauter des Komponisten Richard Wagner, sodass das Zimmer nach ihm benannt wurde. Am Ende dürfen wir noch einen Blick in die sanitären Einrichtungen werfen. Für die Bauzeit befinden sich ungewöhnlich viele Toiletten in dem Schloss, da z.B. im Schloss Versailles nur der König über eine Toilette verfügte, wohingegen im Bertoldsheimer Schloss auch sanitäre Anlagen für die Bediensteten vorhanden waren. Ganz zuletzt besichtigen wir noch die Zimmer der früheren Dienstboten und verlassen nun das Schloss.

 

 Interview mit Hr. Anton Polleichtner

Herr Polleichtner ist ein ehemaliger Bewohner des Bertoldsheimer Schlosses. Welche Erinnerungen er an die vergangene Zeit hat, wird im folgenden Interview näher geschildert:

Wir haben erfahren, dass Sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Schloss gewohnt haben. Wie kam es dazu?

Es war der 4. Mai 1946 als wir erfuhren, dass wir am nächsten Morgen unsere Heimat Böhmen verlassen müssen. Mit jeweils 50 kg Gepäck bepackt, befanden wir – meine 6 Geschwister, meine Mutter und mein Vater - uns in einem der 30 Wagons, die Richtung Furth im Wald fuhren. Sobald wir dort über der Grenze aus dem Wagon ausstiegen, nahmen wir die Armbinde, die uns als deutsche Vertriebene kennzeichnete ab.
Unser nächster Halt war Augsburg, von dort aus fuhren 10 Wagons mit jeweils 30 Menschen weiter nach Neuburg an der Donau. Genau an meinem 14. Geburtstag, am 12. Juni, ging es für meine Familie und mich mit einem Lastwagen weiter nach Bertoldsheim, wo wir im Schloss untergebracht wurden.

Wann und wie lange haben Sie im Schloss gewohnt?

Genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern, aber es müssten so ca. zwei Jahre gewesen sein, also bis ’48. Danach hat meine Familie mit mehreren anderen in einem Haus in Bertoldsheim gewohnt. Mit 18 Jahren verließ ich Bertoldsheim und kehrte erst nach fünf Jahren zurück. Währenddessen hatten meine Eltern sich bereits eine neue Existenz in Bertoldsheim aufgebaut.

In welchen Räumen haben Sie gewohnt?

Nach unserer Ankunft wohnten wir zunächst im Jagdzimmer. Später zogen wir in einen größeren Saal, den ehemaligen Spiegelsaal, um. Aufgrund der Größe des Saals waren unsere neun Betten kaum zu sehen. Da es dort auch einen Kamin gab, hatten wir die Möglichkeit uns eine provisorische Feuerstelle zum Kochen einzurichten.

Wie gestaltete sich die Situation im Schloss?

Mit uns lebten ca. 250 Vertriebene aus verschiedensten Ländern im Schloss, darunter ungefähr 150 Kinder. Bevor wir in das Schloss einzogen, war es von Amerikanern besetzt. Da diese viel Schmutz und Unrat hinterlassen hatten, mussten wir die Räume vor dem Bezug zunächst reinigen. Mehrmals im Jahr wurde zudem eine Entwanzung des Schlosses durchgeführt, sodass wir 24 Stunden unsere Zimmer aufgrund der Abtötung durch Giftmittel von Wanzen nicht betreten durften. Im unteren Teil des Schlosses befand sich eine Gemeinschaftsküche mit zwei großen Herden, die alle Bewohner benutzten. Jede Familie musste sich zum Kochen oder auch zum Heizen das Holz selber sammeln. Zum Lagern des Holzes war jeder Familie im Keller ein kleines Eck zugeteilt worden. Doch ging es bei der endgültigen Verteilung des Holzes nicht immer gerecht zu, da viele sich auch einfach das Holz der anderen klauten.
Unser größtes Problem war aber, wie wir uns ernähren sollten. Da wir uns selbst keine Nahrungsmittel leisten konnten, mussten wir oft um Gemüse und Brot bei den Bauern im Dorf bitten/betteln.
Wir Kinder fanden das Leben im Schloss natürlich toll: viele Kinder zum Spielen und viele Geheimgänge und andere Abenteuer zu entdecken. Für unsere Eltern war die Situation natürlich problematischer, da sie sich um die Versorgung und Ernährung der Familie kümmern mussten.
Ein Highlight in unserem Alltag, war die Bescherung an Weihnachten. Jedes Jahr besuchte uns der Graf Du Moulin und brachte uns Lebkuchen und Nüsse mit.
Im Großen und Ganzen gestaltete sich die Jahre für uns Kinder im Schloss als eine doch sehr abenteuerreiche Zeit.

 

Alina Seiler und Anna Hirschbeck, Q12

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